So können Sie Ihre Rente optimieren

von | 2. Feb. 2026 - 09:31 | Kutzers Corner

Die Altersvorsorge beschäftigt nicht nur die Bundesbürger, sondern auch die Politik. Dabei stehen private Maßnahmen zunehmend im Mittelpunkt.

Wie optimiere ich meine Rente? M.M. Warburg & Co. hat dazu eine zeitgemäße Analyse vorgelegt, die ich in wesentlichen Auszügen zitiere. Denn: Dass die gesetzliche Rentenversicherung in den meisten Fällen nicht ausreicht, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern, ist längst kein Geheimnis mehr. Viele Menschen haben die Notwendigkeit bereits erkannt, privat vorzusorgen, und investieren in Aktien und Anleihen. Doch der Weg zur optimalen Altersvorsorge ist mit Fallstricken gespickt.

In der Praxis zeigen sich nach Beobachtung der Warbung-Bank häufig zwei klassische Fehler: Einerseits sind viele Anleger zu risikoavers und starten mit einem zu geringen Risikoanteil. Sie verschenken damit wertvolle Renditechancen, die vor allem in jungen Jahren – bei entsprechend langem Anlagehorizont – genutzt werden sollten. Andererseits gibt es Anleger, die an einer offensiven Risikostrategie zu lange festhalten oder schlichtweg vergessen, ihr Portfolio rechtzeitig anzupassen. Das kann dazu führen, dass sie im Falle eines Aktienmarkteinbruchs kurz vor Renteneintritt einen Großteil ihres angesparten Vermögens verlieren.

Wie den Risikoanteil steuern?

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie sollte der Risikoanteil im Portfolio über den Zeitverlauf bis zum Renteneintritt gesteuert werden, um das erwartete Vermögen zu maximieren? Die Antwort darauf ist alles andere als trivial, denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das Risiko im Portfolio zu steuern und anzupassen.

Schrittweise Reduktion des Risikos

Ein logischer Ansatz sieht vor, dass der Sparer den Anteil des Risikobausteins in seinem Portfolio schrittweise reduziert. Ein Beispiel: Der Anleger startet mit einem Risikoanteil von 100 Prozent (z.B. Aktien). 35 Jahre vor Renteneintritt beginnt er, den Anteil des Risikobausteins zu reduzieren und sein Kapital in risikoärmere Anlagen umzuschichten. In der Folgezeit verringert er den Risikoanteil alle fünf Jahre um zehn Prozentpunkte, sodass er bei Renteneintritt noch 20 Prozent seines Vermögens im Risikobaustein hält. Aber ist dieser Anpassungspfad tatsächlich optimal, um das erwartete Vermögen zum Renteneintritt zu maximieren? Oder gibt es Alternativen, mit denen sich ein besseres Ergebnis erzielen ließe? Um die Frage zu beantworten, wie der Risikoanteil im Portfolio optimal über die Zeit bis zum Renteneintritt gesteuert werden sollte, hat Warburg eine umfangreiche Analyse durchgeführt. Im Zentrum des Versuchsdesigns steht ein Anleger, der sein Vermögen auf zwei Bausteine aufteilen kann: einen Risikobaustein, der für ein breit diversifiziertes Aktienportfolio steht, und einen Sicherheitsbaustein, in Form von Tagesgeld oder kurzfristigen Festgeldern. Der Anteil beider Bausteine ist dabei nicht starr, sondern kann in 10-Prozentpunkte-Schritten angepasst werden. Insgesamt ergaben sich über eine Million verschiedene Anpassungspfade. Für den Sicherheitsbaustein unterstellen die Experten der Bank einen Zinssatz von einem Prozent pro Jahr. Die Wertentwicklung des Risikobausteins basiert wiederum auf einer Simulation eines breit diversifizierten Aktienportfolios.

Ergebnisse der Analyse

Für die Auswertung der Analyse werden drei typische Anlegerprofile betrachtet, die sich durch ihren Anlagehorizont unterscheiden. Im ersten Fall startet die Altersvorsorge bereits 65 Jahre vor Renteneintritt – etwa indem Eltern für ihr Kind investieren. Im zweiten Fall beginnt der Anleger nach den ersten Berufsjahren mit dem Vermögensaufbau, hat sich ein erstes kleines Polster angespart und kann noch 35 Jahre bis zur Rente investieren. Der dritte Fall beschreibt einen Anleger, der sich erst spät mit dem Thema private Altersvorsorge beschäftigt und dem lediglich zehn Jahre bis zum Ruhestand verbleiben.

Die erste Erkenntnis lautet: Wer über einen langen Zeitraum möglichst viel Risiko im Portfolio hält, erzielt die höchsten Renditen. Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang bei einem sehr langen Anlagehorizont. Hier zahlt sich eine hohe Aktienquote unabhängig vom Kapitalmarktszenario aus.

Zwei weitere Muster fallen auf. Zum einen nimmt die Renditedifferenz zwischen einem optimistischen und einem pessimistischen Kapitalmarktszenario mit zunehmender Cash-Quote ab. Mit anderen Worten: die Chance auf überdurchschnittliche Wertsteigerungen beziehungsweise das Risiko unterdurchschnittlicher Vermögensentwicklungen nimmt logischerweise ab, wenn der Anleger weniger stark Aktienkursschwankungen ausgesetzt ist. Zum anderen liegen die Renditeunterschiede zwischen den Szenarien umso enger beieinander, je länger der Anlagehorizont ist. Das unterstreicht einmal mehr den Vorteil, frühzeitig mit dem Vermögensaufbau zu beginnen.

Risikoanalyse: Schwere Markteinbrüche

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass eine möglichst hohe Risikogewichtung über den gesamten Anlagezeitraum hinweg die besten Renditechancen bietet. Allerdings birgt dieser Ansatz das Risiko, am Ende der Ansparphase von einem schweren Markteinbruch überrascht zu werden und dadurch einen erheblichen Teil des Vermögens zu verlieren.

Die Warburg-Simulation eines Worst-Case-Szenarios – ein Markteinbruch von 75 Prozent in den letzten fünf Jahren vor Renteneintritt – macht deutlich: Insbesondere bei einer kurzen Ansparphase von nur zehn Jahren ist es entscheidend, die Risikogewichtung zu reduzieren, um größere Verluste zu vermeiden. Hält der Anleger bis zum Renteneintritt an einer maximalen Risikoallokation fest, erleidet er in einem pessimistischen Kapitalmarktszenario sowie der Worst-Case-Betrachtung einen Verlust von rund 80 Prozent. Hätte er hingegen sein Vermögen fünf Jahre vor Renteneintritt zu 80 Prozent in Cash umgeschichtet, beliefe sich sein Verlust auf „nur“ noch 35 Prozent.

Wichtig an dieser Stelle: Die beispielhafte Worst-Case-Analyse mit einem Markteinbruch von 75 Prozent sowie der Annahme eines pessimistischen Kapitalmarktszenarios im Vorfeld ist extrem konservativ, aber auch nicht völlig ausgeschlossen. Unabhängig davon zeigt die Risikoanalyse, dass die Relevanz, den Risikoanteil vor Renteneintritt signifikant zu reduzieren, mit einer längeren Ansparphase abnimmt. Bei einem langen Horizont von 65 Jahren spielt das Endrisikogewicht in der Worst-Case-Betrachtung nach wie vor eine Rolle, jedoch ist mit Blick auf die realisierte Rendite der Risikoanteil in den vorherigen Jahren wichtiger. Der Grund: Dank des Zinseszinseffekts hat der Anleger mit einem vergleichsweisen hohen Risikoappetit in der Ansparphase überproportional stark von steigenden Aktienkursen profitiert und ein deutlich höheres Vermögen angehäuft als ein Anleger mit einem durchschnittlich geringeren Risikoanteil.

Fazit: Mit Risiko frühzeitig starten

Die Analyse unterstreicht ein zentrales Prinzip einer erfolgreichen privaten Altersvorsorge: Wer frühzeitig und über viele Jahre hinweg auf einen individuell tragbaren, hohen Risikoanteil setzt, profitiert langfristig von den Renditechancen der Kapitalmärkte. Erst in der Phase vor dem Renteneintritt sollte das Portfoliorisiko gezielt reduziert werden, um größere Verluste durch kurzfristige Marktschwankungen besser abzufangen. Ein starres Festhalten an festen Quoten ist dabei jedoch selten optimal. Sinnvoller ist ein flexibler Ansatz, der hilft, Stressphasen an den Märkten auszuhalten, ohne zu früh auf Renditepotenzial zu verzichten.