Der Nahost-Krieg weitet sich aus, und die Welt wird zusehends verrückter. Es geht nicht nur um Handel und Energieversorgung. Das Anlageklima droht auf längere Sicht schlecht zu bleiben.
Für Kapitalanleger hat sich das Klima in den vergangenen Tagen eher noch weiter eingetrübt. Der Blick nach vorn erlaubt keinen Optimismus. Ob Energieversorgung, Konjunktur und globale Trends – im Zeitalter von Putin, Trump und dem Chaos in Nahost überwiegen Sorgen und Ängste. Und die jüngsten Prognosen liefern kaum Hoffnungsansätze. Wie denken die Bundesbürger in diesem Umfeld? Welche Aspekte sind Menschen bei ihrer Geldanlage wichtig? Welche Sorgen und Befürchtungen prägen ihre finanziellen Dispositionen? Und wie entscheiden sie sich, wenn es um die Abwägung zwischen garantierter Sicherheit und möglichen Renditechancen geht? Eine aktuelle Anlegerstudie der BarmeniaGothaer in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa beantwortet diese Fragen und gibt einen Einblick in die Einstellungen und Prioritäten von Anlegerinnen und Anlegern im Jahr 2026.
Auf Sicherheit kommt es den Bundesbürgern an
Sicherheit bleibt das zentrale Motiv bei der Geldanlage in Deutschland: 47 Prozent der Befragten nennen eine möglichst hohe Sicherheit als wichtigsten Aspekt – deutlich vor Flexibilität (26 Prozent), Rendite (13 Prozent) und einem Beitrag zur Nachhaltigkeit (8 Prozent). Geldanlage wird weiterhin als Instrument zur Sicherung der eigenen Stabilität verstanden, weniger als reine Renditechance, ordnet der Vorstand des BarmeniaGothaer Asset Managements die Ergebnisse ein. Die hohe Sicherheitsorientierung ist Ausdruck eines wachsenden Bedürfnisses nach Planbarkeit in unsicheren Zeiten.
Ifo Institut: Nahost-Krieg wird Wachstum bremsen
Das jüngsten Konjunkturanalysen und -vorhersagen sind uneinheitlich, mitunter widersprüchlich und machen nur wenig Mut – wenn überhaupt. Das Ifo Institut hat seine Wachstumsprognose angesichts des Nahostkriegs nach unten korrigiert. Ein kurzfristiger Energiepreisanstieg würde das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gegenüber Vorkriegs-Schätzungen um rund 0,2 Prozentpunkte verlangsamen, so dass das Institut mit einem Wachstum von 0,8 Prozent in diesem und 1,2 Prozent im nächsten Jahr rechnet. Die Forscher gehen derzeit von einem Anstieg der Inflationsrate auf knapp 2,5 Prozent aus, wenn die Öl- und Gaspreise innerhalb der nächsten Wochen wieder sinken. Sollten die Preise für fossile Energie allerdings für einen längeren Zeitraum stark erhöht auf dem heutigen Niveau bleiben, könnte die Inflation in der Spitze bis auf knapp 3 Prozent steigen. Dies würde das Wachstum um weitere 0,2 Prozentpunkte auf nur noch 0,6 Prozent in diesem Jahr und um 0,4 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent im kommenden Jahr bremsen.
Inflationsschock – der Markt übertreibt
Die aktuelle Marktlage ist nicht mit der Situation 2022 in Folge des russischen Einmarschs in der Ukraine vergleichbar. Die Gefahr einer Stagflation – also eine stagnierende Wirtschaft bei hoher Inflation – ist aufgrund der Stärke der Weltwirtschaft viel geringer. „Zwar befürchten wir einen Inflationsschock aufgrund der stark gestiegenen Ölpreise. Das Risiko einer anhaltend hohen Inflation sehen wir jedoch nicht“, sagt Benoit Anne, Anlageexperte bei MFS Investment Management.
Derzeit geht der Markt davon aus, dass die EZB in den nächsten zwölf Monaten zwei Zinserhöhungen vornehmen wird. Angesichts der derzeitigen Rendite 10-jähriger Bundesanleihen von 2,90 % – den höchsten Stand seit Januar – würde das ein Engagement in europäischen Anleihen sogar attraktiver machen.
In den USA schockierten die schlechten Zahlen zum Arbeitsmarkt außerhalb des Landwirtschaftssektors in der vergangenen Woche viele Marktteilnehmer. Tatsächlich befindet sich die US-Wirtschaft jedoch in einer soliden Verfassung. Aus Sicht der Anlagestrategen besteht das primäre Risiko für die USA daher nicht in einer Stagflation, sondern eher in einer Überhitzung, also einer Kombination aus starkem Wirtschaftswachstum und höheren Inflationsraten.
Die Fed befindet sich deshalb nun in einer schwierigen Lage. Bisher wurde erwartet, dass der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh ab Juni Zinssenkungen in einem angemessenen Rahmen vornehmen würde. Inzwischen haben sich die Märkte jedoch geändert und gehen insgesamt erst von einer Zinssenkung im September aus.
Achillesferse des Aufschwungs: Ein Comeback des US-Dollars
Sein jüngstes Comeback hat viele Anleger zu der Annahme veranlasst, dass der US-Dollar für Schwellenländer und Rohstoffe die Achillesferse darstellt. Der Aufschwung könnte anhalten, so Peter van der Welle, Stratege bei Robeco Investment Solutions.
Ein schwächelnder Dollar ist für die Aktienmärkte außerhalb der USA gut, wie die Renaissance europäischer und asiatischer Aktien 2025 beweist. Und da Rohstoffe in Dollar verkauft werden, erlebt jedes Land, das beliebige Waren – von Öl bis Sojabohnen – verkauft, einen größeren Zahltag in seiner Landeswährung, wenn der Wert des Dollars fällt. Seit Beginn des US-Militäreinsatzes gegen Iran am 28. Februar hat der Dollar ein Comeback erlebt und ist bis 5. März um 1,5 Prozent gestiegen. Wird der Aufschwung des Dollars anhalten?
Nach wie vor um 12 Prozent überbewertet
Die Antwort auf diese Frage ist enorm wichtig, da die Korrelationen andeuten, dass ein anhaltender Kursumschwung des Dollars die gute Performance der Märkte außerhalb der USA und eines breiten Segments des Multi-Asset-Universums infrage stellen könnte.
Die weltweit wichtigste Handelswährung ist nach unserer bevorzugten Bewertungskennzahl, ihrer Abweichung vom Trend in relativer Kaufkraftparität (KKP), nach wie vor um 12 Prozent überbewertet. Obwohl wir der Ansicht sind, dass sich der Dollar weiterhin in einem langfristig fallenden Markt befindet (seit 2022), sind Kursumschwünge üblich. Früher ist es in fallenden Dollar-Märkten zu drei derartigen Kursumschwüngen gekommen: Der Dollar ist im Durchschnitt drei Monate lang um mindestens 5 Prozent gegenüber anderen Währungen gestiegen und hat jeweils eine durchschnittliche Rendite von 8,2 Prozent erzielt.
Eine weitere Kurserholung
Der Militäreinsatz gegen Iran könnte die Bühne für eine weitere gegenläufige Kurserholung bereiten, die den allgemeinen Aufschwung in Europa, Asien und bei Rohstoffen durchkreuzen würde. Erstens deuten Positionierung und Dynamik der Kapitalflüsse vor dem Hintergrund der erhöhten Spannungen im Nahen Osten auf einen Aufschwung des Dollars hin. Der Konflikt entstand, während Vermögensverwalter mit einer historisch starken Untergewichtung des Dollars aufwarteten. Der Nachteil ist, dass sie zugleich nie dagewesene übergewichtete Positionen in Aktien aus Schwellenländern aufwiesen. Somit sind Anleger anfälliger dafür, beim Handel auf der falschen Seite zu stehen. Je länger die Spannungen im Nahen Osten andauern, desto größer wird das Gerangel um Liquidität. Das begünstigt den Dollar, da er an 89 Prozent der weltweiten Devisentransaktionen beteiligt ist.
Zu guter Letzt
Vor diesem Hintergrund kann ich Ihnen jetzt nicht zu neuen Anlagekäufen raten, geschätzte Leser. Ich würde bis auf Weiteres abwarten. Vorhandenes Kapital ist jetzt besser als kurzfristige Liquidität geparkt.



