Jetzt machen es die Märkte den Anlegern schwer

von | 9. Feb. 2026 - 07:29 | Kutzers Corner

Kein schlechter Jahresauftakt – aber auch kein klarer, kein einheitlicher Börsentrend. Die Finanzmärkte werden jetzt zunehmend von unterschiedlichen Einflüssen bewegt.

Während sich die Weltpolitik nach Einflusszonen neu sortiert, schauen die Märkte durch die geopolitischen Entwicklungen (Stichworte: „Iran“ und „Grönland“) hindurch auf Konjunkturdaten, Unternehmensgewinne und die Renditetreiber von morgen. Zwischenbilanz der Strategen von Allianz Global Investors: Der Jahresauftakt war für die Aktienmärkte ein weitestgehend guter Monat, nach einem ohnehin schon famosen Jahr 2025. Die Rohstoffe, und hier besonders Gold und Silber, legten im Januar weiter zu – bis dann Unruhe aufkam. Bei den Anleihemärkten war das Bild heterogener. Während europäische Staatsanleihen zulegten, verloren britische und US-amerikanische an Boden.

An den Devisenmärkten prägten die Schwäche des US-Dollars und des japanischen Yens das Bild. Dahinter stecken zum Teil sehr unterschiedliche Entwicklungen. Derweil sorgt der US-Dollar für Nachdenklichkeit. Die Federal Reserve (Fed) tat bei der letzten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses, was sie im Kontext von Dollar-Schwäche und Konjunktur- und Preisdaten, am besten tun kann: Nichts. Eine Zinssenkung blieb wie erwartet aus. Ein klares Signal auch dafür, dass sie ihre Unabhängigkeit zu bewahren weiß, während der neue Fed-Chef Kevin Warsh von Präsident Trump nominiert wurde.

Währungen: Der Euro bleibt ein Gewinner

Gewinner ist der Euro, wobei sich nach Analystenmeinung langsam die Frage in die Diskussionen schleicht, ob die Europäische Zentralbank (EZB) nicht gut beraten wäre, der Euro-Stärke entgegenzuwirken – durch eine Zinssenkung. Das Gute nur: Fed wie EZB haben keinen Handlungsdruck. Das Wirtschaftswachstum im Euroraum ist solide und liegt nahe an der Trendrate, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und stabil, die Inflation nahe am Zielwert.

Für Bewegung in geradezu rasanter Weise sorgt das aufbrechende „Intelligenz-Zeitalter“, das von seiner Dynamik an eine neue, lange Welle des Wachstums nach dem russischen Ökonomen Nikolai Kondratieff erinnert. Es ist eine nicht zu unterschätzende Stütze der US-amerikanischen Konjunktur, wirft aber immer wieder die Frage auf, ob hier nicht Anklänge an die Technologie-Blase zu Beginn des neuen Jahrtausends zu sehen sind. Verständlich bei den vorherrschenden Bewertungen; aber das wäre zu einfach. Die Künstliche Intelligenz (KI), als dahinter liegende Technologie, macht sich bereits real in veränderten Geschäftsmodellen und -prozessen bemerkbar. Die Erwartungen an Gewinne, Umsätze und Gewinnmargen sind hoch. Gegen eine „Blase“ spricht jedoch, dass Knappheiten schon spürbar sind.

Sind die aktuellen Bewertungen also gerechtfertigt? Da kommt es gerade richtig, dass die Bilanzsaison durchstartet. Umso mehr, als die zum Teil sehr hohen Bewertungen besonders im Tech-Segment (die KI-Fantasie lässt grüßen) nur durch zukünftige Gewinne gestützt werden können. Wie immer preschen die US-amerikanischen Werte vor. Was sie über den Januar hinweg vorlegten, konnte sich sehen lassen. Dreiviertel der Firmen, die ihre Ergebnisse bereits veröffentlichten, übertrafen die Erwartungen. Das allein ist nicht weiter ungewöhnlich. Was aber auffiel war, dass vor allem die Tech-Werte (darunter viele der großen Namen) fast durch die Bank besser abschnitten als die Analysten erwarteten. Beim Stoxx 600 war das Bild zunächst noch verhaltener.

Aktien im Portfolio weiter übergewichten

In diesen bewegten Zeiten liegt folgende taktische Allokation für Aktien und Anleihen nahe, wie die Investmentprofis empfehlen:

Die konjunkturelle Großwetterlage spricht weiter für eine breite, regional wie sektoral diversifizierte Übergewichtung von Aktien.

Gerade für internationale Investoren bleibt dabei die Entwicklung des US-Dollars wichtig. Dieser dürfte seine Schwächeneigung nicht so schnell beenden. Zwar ist er unverändert die Leitwährung der Welt, diese ist aber angeknackst. Die Dollarschwäche lässt europäische Aktien als attraktiver erscheinen und kann Mittelzuflüsse anziehen. Auch würde eine stärkere Gewichtung z. B. europäischer Aktien dazu beitragen, dass global ausgerichtete Portfolien insgesamt weniger stark von US-Titeln dominiert werden.

Schwellenländer bleiben interessant

Die Aktienmärkte der Schwellenländer vereinen eine solide Konjunkturdynamik (vor allem außerhalb Chinas) mit günstigen finanziellen und monetären Bedingungen, sich verbessernden Gewinnrevisionen und einer akzeptablen Bewertung. Anleger sind in diesem Segment weiter unterinvestiert. Märkte wie Südkorea und Taiwan profitieren vom Technologie-Boom, Märkte wie Indien warten weiter mit guten Fundamentaldaten auf, Lateinamerika dürfte mehr und mehr von steigenden Metallpreisen profitieren.

Die Divergenz an den globalen Anleihemärkten spricht für ein aktives Management bei den Laufzeiten. In den USA besteht das Risiko, dass in Folge steigender Inflationserwartungen und der Dollar-Schwäche die längeren Laufzeiten Terrain verlieren, was für eine Bevorzugung der kürzeren Laufzeiten spricht. Für längerfristige Engagements könnten sich Staatsanleihen aus Schwellenländern eignen, wo die Realzinsen hoch sind und die Zentralbanken noch Spielraum für Zinssenkungen haben.

Auch osteuropäische Märkte beachten

International interessierte Anleger können Märkte in Zentral- und Osteuropa einbeziehen. Dafür gibt es jetzt einen neuen Fonds: Der aktiv gemanagte Aktienfonds Aramea Aurora Equity bietet Anlegern Zugang zur Wachstumsregion Osteuropa. Das Portfoliomanagement um Lars Dollmann und Robert Barnjak investiert fokussiert und unabhängig von einer Benchmark in Zentral- und Osteuropa, Südosteuropa sowie in ausgewählten Grenz- und benachbarten Wachstumsmärkten. Dazu gehören Länder wie Polen, Tschechien und Ungarn, aber auch Griechenland. Aus einem Investmentuniversum von mehr als 1.000 Unternehmen wählen die Portfoliomanager basierend auf einer Fundamentalanalyse von Kriterien wie Cashflow, Wachstumspotenzial, Qualität der Produkte und des Managements sowie weiterer Bewertungsfaktoren 25 bis 40 Unternehmen für das Portfolio aus.