Die schwächelnde Wirtschaftslage drückt auch den Bedarf an Materialien.
Deutschlands Wirtschaftsleistung geht seit einigen Jahren zurück, dies zeigt sich auch im stetig sinkenden Rohstoffbedarf der Industrie. 2024 erreichte die heimische Produktion mineralischer Rohstoffe mit 475 Millionen Tonnen einen abermaligen historischen Tiefstand. Dies geht aus einem aktuellen Bericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zur Rohstoffsituation in Deutschland hervor.
Insgesamt sei die deutsche Rohstoffproduktion bereits seit 2020 um rund ein Drittel rückläufig, heißt es weiter. Dies umfasse sowohl die meisten Baurohstoffe und Industrieminerale wie Sand, Kies und Feldspat als auch Energierohstoffe wie Erdgas, Erdöl und Braunkohle. Die Importe gingen ebenfalls um 2,8 Prozent auf 288 Millionen Tonnen zurück, wobei vor allem Energierohstoffe betroffen waren. Importe von Nichtmetallen und Metallen zeigten hingegen eine leichte Zunahme.
Als Ursachen für die insgesamt rückläufige Nachfrage nennt die BGR die anhaltende konjunkturelle Schwäche. Zugleich weist BGR-Vizepräsident Prof. Dr. Volker Steinbach darauf hin, dass Bereiche wie Energiewende, Industrie 4.0, Wohnungsbau sowie Infrastruktur weiterhin einen sehr hohen Rohstoffbedarf erzeugen. Die Verfügbarkeit der notwendigen Materialien werde dabei zugleich durch geopolitische Spannungen und eine hohe Marktkonzentration eingeschränkt.
Deutschland produziert bislang nur wenige kritische Rohstoffe selbst
Um die heimische Versorgung zu stärken, hat die EU 2024 im Rahmen des Critical Raw Materials Act ambitionierte Ziele gesetzt und zahlreiche Rohstoffe als kritisch eingestuft. Von diesen gewinnt Deutschland bislang nur wenige durch heimische Produktion, darunter die Industrieminerale Fluss- und Schwerspat, Feldspat und Graphit. Zur Deckung der eigenen Nachfrage reiche das laut BGR nicht aus.
Aktuell finden zwar verstärkt Explorationsaktivitäten statt, vor allem für Lithium und Kupfer. Einige der erkundeten Vorkommen enthalten aber auch Technologiemetalle wie Indium. Die meisten der über 150 Projekte und Lizenzen befinden sich jedoch in frühen Phasen und erfordern erhebliche Investitionen, bevor sie einen nennenswerten Beitrag zur Rohstoffversorgung leisten können. Mit einem ersten Vorhaben im Bereich Lithium wurde immerhin kürzlich der deutsche Rohstofffonds gestartet (wir berichteten).
Positive Entwicklungen sieht die BGR zudem beim Recycling. Vor allem bei Rohstahl, Aluminium, Blei, Kupfer und Zink leisten Recyclingrohstoffe einen erheblichen und zugleich umweltschonenden Beitrag zur Versorgung. Bei anderen Metallen ist die Wiederverwertung jedoch noch ausbaufähig.
Photo: iStock/Ludmilla Khvoshch



