Drei Tage lang diskutierten Vertreter aus Industrie, Finanzsektor und Handel in Frankfurt am Main Chancen und Herausforderungen der Branche.
Ein bemerkenswerter Zeitpunkt: Ausgerechnet zum Auftakt des Zukunftsforums Edelmetalle am Montag fiel der Goldpreis auf seinen bisher niedrigsten Jahresstand. Dabei gelten Gold und andere Edelmetalle eigentlich als typische „Krisenwährung“ in geopolitisch angespannten Situationen wie aktuell im Iran. Bleibt Gold dennoch der sichere Hafen in unruhigen Zeiten? Welche Faktoren könnten seine Preisbildung im weiteren Jahresverlauf beeinflussen? Und welche Trends zeigen sich bei den anderen Edelmetallen? Dies waren nur einige der Fragen, denen sich das Zukunftsforum Edelmetalle widmete, das vom 22. bis 24. März Frankfurt am Main zum Treffpunkt der Branche machte. Rund 300 Vertreter aus Industrie, Finanzsektor und Handel diskutierten im Kap Europa Marktentwicklungen, resiliente Lieferketten, neue Recyclingansätze und technologische Innovationen.

Der Ort des Geschehens, das Kap Europa in Frankfurt am Main.
Das Event, das erst im vergangenen Jahr Premiere hatte, soll eine Lücke schließen und eine zentrale Branchenplattform für die DACH-Region schaffen, erklärt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, CEO des Veranstalters Fragold Connect GmbH. Im Laufe der beiden Konferenztage kristallisierten sich zwei Tendenzen heraus: Die Grenzen zwischen klassischen Edelmetallen und strategischen Rohstoffen verschwimmen immer mehr, während die Märkte zunehmend schneller auf geopolitische und wirtschaftliche Entwicklungen reagieren.
Gold bleibt sicherer Anker in Krisenzeiten – und darüber hinaus
Diese Dynamik steckte auch hinter dem Preisverfall am Montag. Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Rekordhochs, mögliche steigende Zinsen der Zentralbanken und ein starker US-Dollar hatten die Anleger kurzfristig aus dem Edelmetallmarkt getrieben. Bereits im Laufe des Tages zeichnete sich denn auch wieder eine leichte Erholung ab. Vor diesem Hintergrund zog Ruth Crowell, CEO der London Bullion Market Association, eine Bilanz der turbulenten letzten Monate auf dem Markt. Im vergangenen Jahr haben unter anderem Trumps Zollpolitik, anhaltende geopolitische Unsicherheiten und gestiegene Inflationserwartungen die Nachfrage nach Gold stark angekurbelt. Trotz kurzfristiger Schwankungen wie aktuell sieht Crowell Gold weiterhin als Stabilitätsanker – vorausgesetzt, die Lieferketten sind transparent und die Märkte vertrauenswürdig.
Auch John Reade, Senior Market Strategist beim World Gold Council, sieht das derzeitige Tief als Korrektur nach den Rekordpreisen der jüngsten Vergangenheit. Der langfristige Trend bleibe robust. Als mittlerweile bedeutenden Einfluss auf Nachfrage und Preisbildung hob er institutionelle Investoren wie Zentralbanken und Fonds vor allem aus Schwellenländern wie China und Indien hervor. Gold sei nicht nur in Krisenzeiten gefragt, sondern zunehmend als strategischer Baustein im Portfolio, so Reade.

Der wohl bekannteste Rohstoff der Welt: Gold.
Einen Blick auf Silber warf Junlu Liang, Senior Analyst bei Metals Focus Ltd. Wie auch für Gold war 2025 für den „kleinen Bruder“ ein außergewöhnliches Jahr. Die Preissteigerungen übertrafen teilweise sogar die von Gold, getrieben von dem Status als sichere Krisenanlage und starker Nachfrage vor allem aus der chinesischen Solar- und Elektronikbranche. Gleichzeitig bleibe Silber deutlich volatiler als Gold. Seit 2021 befinde der Markt sich zudem im Defizit, verstärkt durch Chinas Schlüsselrolle in dem Sektor. Wie die Analystin ausführte, verarbeite das Land als zweitgrößter Hersteller und zugleich Hauptverbraucher des Edelmetalls den Großteil seiner Produktion selbst. Zusätzlich unterliegen bestimmte Silberprodukte chinesischen Exportkontrollen, sodass nur begrenzte Mengen auf den Weltmarkt gelangen.
Deutschlands Rohstoffversorgung unter Druck
Am zweiten Konferenztag sprach York A. Tetzlaff, Geschäftsführer der Fachvereinigung Edelmetalle, über die Lage der deutschen Branche. Diese stehe einer ganzen Reihe von Herausforderungen gegenüber, darunter gestiegene Leihzinsen für Edelmetalle, hohe Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten wie der ungelöste Handelsstreit zwischen USA und China. Auch die enormen bürokratischen Auflagen nannte Tetzlaff als Belastung – zugleich zählt die starke Regulierung für ihn zu den Trümpfen der deutschen und europäischen Branche, da sie Vertrauen schaffe. Teilweise hätten die Verbände freiwillige Standards eingeführt, um Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Lieferketten zu stärken, noch bevor entsprechende gesetzliche Regelungen in Kraft traten. Ebenso sieht Tetzlaff das etablierte Recycling-System als Stärke. Urban Mining als wertvolle Rohstoffquelle müsse jedoch noch mehr ausgebaut werden, etwa durch das Zurückführen des berüchtigten alten Handys in der Schublade in den Wertstoffkreislauf.
Stefan Müller, CEO der Deutsche Gesellschaft für Wertpapieranalyse GmbH, erweiterte den Blick über Edelmetalle hinaus auf kritische Rohstoffe wie Seltene Erden und Lithium. Diese seien längst zu geopolitischen Instrumenten geworden. Die hohe Importabhängigkeit Deutschlands und der EU sei hinlänglich bekannt, dennoch agiere man immer noch zu langsam, um diese drängenden Risiken zu reduzieren. Kritisch äußerte der Redner sich zur unzureichenden Ausstattung des deutschen Rohstofffonds – für die besonders kapitalintensive und risikoreiche Frühphase der Exploration seien gar keine Mittel vorgesehen. Müller rief dazu auf, Investitionen in europäische Rohstoffprojekte zu fördern, bevor andere Länder hier aktiv würden. Als weiteren Beitrag zu einer besseren Versorgungssicherheit sieht er strategische Rohstoffpartnerschaften mit Ländern wie Australien, Kanada und Kasachstan.

Neben den Edelmetallen standen auch andere kritische Rohstoffe im Fokus der Konferenz, hier Indium.
Die diesjährigen Themen des Zukunftsforums Edelmetalle führten deutlich vor Augen, mit welchen Umbrüchen die Branche konfrontiert ist – zwischen geopolitischem Wettbewerb, Versorgungsrisiken und wachsender Nachfrage. Gleichzeitig eröffnen sich mit innovativen Technologien, digitalen Anlageformen und Kooperationen neue Chancen. Ob und wie aus diesen Ansätzen nachhaltige Lösungen werden, darauf gibt vielleicht die dritte Auflage der Veranstaltung Antworten, die für das zweite Quartal 2027 angekündigt ist.
Photos: Rohstoff.net/Isabella Mook



